Lessons Learned

Mit „Stuttgart neu erzählt“ wurde ein neuer Weg der Kulturvermittlung geschaffen und ausprobiert, der das digitale Engagement und den Dialog zwischen Museum und  Zielgruppen stärken und neue Formen von Ausstellungsinhalten für Stadtmuseen als Orte regionaler Identifikation schaffen kann. Begrenzende Faktoren für das Projekt waren der Mangel an personellen Ressourcen, die daraus resultierende reduzierte wissenschaftliche Begleitung sowie die fehlende aktive Einbindung in einen laufenden Museumsbetrieb – was deutlich synergetischer und ressourcenschonender gewesen wäre. Ein Storytelling-Projekt während der Planung und des Aufbaus eines Museums ist sehr aufwendig.

Herausfordernd war auch die zwischenzeitliche Änderung der strategischen Museumsausrichtung durch den Direktionswechsel während der Planungszeit. Die Einschränkungen haben nicht jede notwendige Maßnahme zugelassen. So gab es keine dauerhafte Anbindung der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts an die Themen des zukünftigen Museums. Daneben fehlte eine zwischenzeitliche Umgestaltung der Online-Plattform auf Basis der Zwischenbilanz und Nutzer/innen-Tests. Auch der nachhaltige Aufbau einer Community für das Projekt kam zu kurz. Das wäre etwa durch mehr Interaktion mit den Story-Jam-Teilnehmer/innen nach der Veranstaltung denkbar gewesen.

Ein Mehrwert, der generiert wurde, ist eine durch die Erfahrungswerte neu definierte Projektstrategie für Storytelling-Projekte, die zumindest als Ansatz folgend beschrieben wird.

Erfahrungsbasierte Projektstrategie

Zu Beginn des Projekts wurde als Kern der Strategie die Plattform definiert, an die alle weiteren Maßnahmen gekoppelt wurden. Im Projektverlauf, durch die Zwischenbilanz und Auswertung von Veranstaltungen und der Online-Plattform stellte sich allerdings heraus, dass es strategisch zielführender ist, wenn man bei einem solchen Storytelling-Vorhaben die differenzierte Aktivierung der Storys in den Mittelpunkt stellt.

Dabei ist ein erster und wesentlicher Schritt die Entwicklung einer flexibel änderbaren und nutzerorientierten sowie vom Museum kontinuierlich moderierten und bespielten Online-Plattform für die Storys. Daneben sollten weitere Plattformen wie Story Jams und inhaltlich strategisch geplante Maßnahmen wie die Postkartenaktion und sonstige analoge und digitaler Sozial- und Kommunikationsmaßnahmen die Aktivierung befeuern. Gelingen diese ersten Schritte und sind die Erfolgsfaktoren Interaktion und Communitybuilding angelaufen und messbar, sollten im zweiten Schritt das Potenzial der Anfragen von interessierten Dritten, die durch die Sichtbarkeit der Plattform und flankierenden Kommunikationsmaßnahmen aufmerksam geworden sind, genutzt werden. So können interessierte Stadtteilbibliotheken, Schulen, Universitäten und andere Vereine und Zusammenschlüsse die Plattform nutzen, um ihre eigenen Storytelling-Projekte voranzutreiben und im Rahmen der vom Museum moderierten Plattform veröffentlichen.

Schließlich sollte für den aktiven Museumsbetrieb die Idee von „Stuttgart neu erzählt“ als Gestaltungselement zusammen mit der Plattform als Werkzeug immer mitgedacht werden, um direkt im Raum des Museums Anknüpfungspunkte zu schaffen. So könnten zu den jeweiligen aktuellen Sonderausstellungen oder anderen für die Stadt wichtigen Themen Storys gesammelt werden, Diskussionen angestoßen und Debatten weitergeführt werden. Es wird so schließlich im Sinne des Public-History-Ansatzes ein Ort mit hoher Relevanz geschaffen, an dem Geschichte durch die Bürger/innen selbst geschrieben werden kann.

Bausteine zur Aktivierung und Verstetigung von Storytelling-Projekten im musealen Betrieb – Potential und Empfehlungen

Die Idee zum Storytelling-Projekt „XY“

  • Idee als Herausforderung formulieren und das „Produkt“ zur Lösung methodisch mit Design Thinking und Co. entwickeln
  • Medienkompetenzweiterung Projektteam
  • Zusammenarbeit mit Experten
  • Storytelling zu aktuellen Themen der Gegenwart (neben historischen Themen)
  • Verstetigung im Ausstellungsbetrieb: Dialogkultur zu relevanten Themen mit der Öffentlichkeit nachhaltig etablieren
  • Relevanz des Ortes „Museum für die Stadt XY… / das Thema …XY“ steigern und dazu beitragen, den Ort zukunftsfähig zu machen

(Online) Plattform

  • Als kuratierte und moderierte Kommunikationsschnittstelle für Museum und Bürger/innen
  • Nutzerzentrierte Entwicklung mit Personas, User Experience-Tests und Co.
  • Technisch flexiblen und thematisch veränderbaren Baukasten entwickeln
  • Iterative Weiterentwicklung und nachhaltiges Planen
  • Eng an der Strategie und Entwicklung des Museums ausrichten, um permanenten Einsatz zu garantieren

Potenzial Plattform „Story Jam“

  • Medienkompetenzerweiterung Bürger/innen
  • Communitybuilding
  • Etabliertes Veranstaltungsformat im Ausstellungsbetrieb zu allen Themen des Museums
  • Detektor relevanter Themen der Zeit
  • Niederschwellig, kreativer Raum, Zeit und Know-how mit garantiertem Output

Maßnahmen zur Aktivierung / Teilprojekte

  • Zielgruppenkonforme Content Strategie-Entwicklung, die analoge und digitale sowie vor allem soziale Formate und Kommunikationsmaßnahen klug verzahnt
  • Influencer: Blogger und Instagrammer zum Thema und in der Region einbeziehen
  • Erfolgsfaktoren definieren
  • Monitoring und Analysen
  • Netzwerkarbeit

Potenzial Logbuch

  • Kontinuierliche Beiträge der Museumsmitarbeiter/innen während der Entwicklung und der Umsetzung der Storytelling-Idee schaffen Transparenz
  • Möglichkeit von Kollaborationsanlässen
  • Medium der Selbstreflexion und Evaluation
  • Medium zur iterativen Weiterentwicklung