Themen: Tags:
Wertung:

Alte Erinnerungen aus Stuttgart

Ich bin 1937 geboren und in Bad Cannstatt direkt am Neckar aufgewachsen.

  1. Aus dem Krieg erinnere ich mich noch blass und möglicherweise durch Erzählungen meiner Eltern oder älteren Geschwister beeinflusst, dass ein Spielkamerad im Kindergarten eines Morgens nicht mehr erschien, weil er in der Nacht auf dem Weg zum Bunker bei einem Fliegerangriff umgekommen war..

Natürlich habe ich auch noch zahlreiche andere Erinnerungen an den Krieg, doch diese Zeiten sind für das Programm vielleicht nicht so     interessant.

2. Im wohl trockensten Jahr vieler Jahrzehnte, 1947,  führte der Neckar nur noch wenig Wasser und lag über weite Flächen trocken. Dabei wurden viele Waffen freigelegt, die von Soldaten, Volkssturmmännern oder Hitlerjungen in den letzten Kriegstagen in den Fluss geworfen worden waren, um unbewaffnet gefangen genommen zu werden.. Wir Kinder sammelten die Waffen und versteckten sie in Ruinenkellern der Nachbarschaft. Es war eine Männer-arme Zeit, viele Väter waren im Krieg gefallen oder noch in Gefangenschaft, die Mütter waren oft überfordert mit dem Daseinskampf für ihre Familien. So waren die Kinder nur wenig beaufsichtigt.

Als einem Nachbarsjungen beim Spielen mit einer Panzerfaust ein Arm abgerissen wurde, erschraken wir dann doch und beichteten unseren Eltern die Waffenlager, die dann von der Polizei geräumt wurden.

3. In den Jahren nach dem Krieg, als ab 1947/48, vor allem nach der Währungsreform im Sommer 1948, der Wiederaufbau rasch Fahrt aufnahm, zog ich mit einem meiner Brüder in Cannstatt und auch in Stuttgart umher, um uns die Neubauten oder Wiederherstellungen anzusehen, die uns als Boten einer friedlichen und glücklichen Zukunft erschienen. Da unser Vater bei den Stuttgarter Straßenbahnen arbeitete, konnten wir für 2 Pfennige Straßenbahn fahren.

4. Im Zusammenhang mit der Feinstaubdiskussion in Stuttgart erinnere ich mich noch sehr gut daran, dass ich lange annahm, dass Nebel gelb sei. Erst als ich Anfang der 50er-Jahre bei einem Ausflug mit meinem Vater auf’s Land weißen Nebel sah, fragte ich meinen Vater erstaunt, wieso der Nebel hier eine andere Farbe habe als zu Hause. Der Grund war der Hausbrand, da die meisten Häuser mit Braunkohle-Briketts beheizt wurden. Sie wurden  erst in den späten 50 er und Anfang der 60 er Jahre meist von Ölheizungen abgelöst, dann änderte sich dies. Doch noch 1960 fiel ich einmal wegen Sauerstoffmangels mitten in der Stadt einfach um.

Treufried Grau

 

 

 

 

 

alle Storys