• Die "Rheingeschmeckten"
  • Wir sind hier geboren © E. Bailly

Ankommen in Stuttgart

Die einen sind in Stuttgart geboren, waren hier im Kindergarten, in der Schule und arbeiten hier – andere sind erst im Laufe ihres Lebens nach Stuttgart gezogen. Manchen fällt es leicht hier Wurzeln zu schlagen, manche fühlen sich fremd. Wie habt Ihr das Ankommen in Stuttgart erlebt? Oder Eure Eltern? Seid Ihr aus der Provinz in die Großstadt, von Norddeutschland in die schwäbische Landeshauptstadt oder aus dem Ausland nach Stuttgart gekommen – und welche Geschichte vom Ankommen in Stuttgart könnt Ihr erzählen?

Manche zelebrieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten wie z.B. die „Rheingeschmeckten“ – das Vereinswappen zeigt, wie das weiße, westfälische Pferd mit dem schwarzen Stuttgarter Rössle in Freundschaft zwei Kölschstangen kreuzt, wobei die rote Narrenkappe natürlich nicht fehlen darf.

Zeynep Sentürk ist in Stuttgart geboren und musste eigentlich gar nicht mehr in Stuttgart ankommen. Sie war ja schon da! Um das klar zu stellen, war sie schon als Kind bei einer Demonstration in Stuttgart dabei. Sie erinnert sich an diese Geschichte:

»Wieder einmal eine Vorbereitung für eine Demo in Stuttgart… Meine Eltern überlegten gerade, welcher Spruch auf die rote Fahne passen würde. Wir Kinder, mein Bruder und ich, waren so aufgeregt, als meine Eltern mit dem Klebeband rumhantierten. Es war die Zeit, als viele Gastarbeiter Sprüche benutzten wie zum Beispiel »Wir sind auch Menschen« oder »Wir haben auch Gefühle«. Aber keine dieser Sprüche konnte unsere Situation richtig beschreiben. Meinem Vater und meiner Mutter fiel der einzig wichtige und noch immer aktuelle Satz ein, nämlich: »Wir sind hier geboren!«.

Die rote Fahne wurde beklebt und leichte Holzstangen wurden rechts und links eingewickelt und auf Kindergröße gekürzt. Denn meine Freundin und ich sollten diese Fahne tragen – wir waren beide fünf Jahre alt und hier in Deutschland, in Stuttgart geboren.

Auf der Demonstration war ich so aufgeregt und stolz zugleich, dass ich auch eine Fahne tragen durfte. Meine kleinen Händchen schwitzten vor Aufregung und Glückseligkeit. Ich erinnere mich noch wie gestern daran: Wir wurden so oft fotografiert, begutachtet und gelobt, weil wir ohne zu meckern den ganzen Weg der Demo gelaufen sind.«

 

 

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